Notwendige Anzahl Seile – Teil 2 Aus der Sicht des Riggers


Teil 1 – Angebot der Shops

Meine Erfahrungen

Seit fast zehn Jahren habe ich nun mehr oder weniger häufig Umgang mit Seil. Zu Beginn meiner Fesselzeit arbeitete ich mit Baumwollseil in unterschiedlicher Länge, dabei vor allem mit 6 und 10 Meter Seil. Dazu noch ein zwei kurze 3 Meter Seile und ein ganz langes mit 20 Meter. Bald merkte ich, dass insbesondere das lange Seil mehr Arbeit beim Durchziehen schafft, als Nutzen dadurch, dass ich nicht ansetzen musste. Auch das damalige Bedürfnis von Karadas (Schmuckbondage) konnte das lange Durchziehen nur schlecht aufwiegen. Bald hatte ich das grosse Seil gekappt und es wurden hauptsächlich 10 Meter Seile.

Dann kam das erste Fesselset mit 7 x 8 Meter Seil von Dragonrope. Das rasche Fesseln war noch nicht wirklich das Hauptmotiv für 8 Meter Seile sondern die Möglichkeiten welche mir mit den Baumwollseilen verwehrt blieben. Ich stellte verduzt fest, dass das Seilverbauen gar nicht so oft nötig war wie befürchtet. Ich vermisste kaum ein kurzes oder längeres Seil. Doch manchmal wäre es einfach praktisch gewesen. Wird auf der Basis eines 2 Seil takate kote gefesselt so reichen sieben Seile aus um die meisten Fesselungen zu machen. Ist die Basis jedoch ein 3 Seil takate kote wird für den Oberkörper wie der Name schon sagt ein Seil mehr gebraucht. So stehen dem Rigger nun nur noch vier Seile für weitere Fesselungen zur Verfügung. Wer nun zwei Beine und ein Hüftseil macht, ist mit seinem Set am Ende. Sind nun mehr Progressionen (Variationen aus den Fesselungen heraus) aus der Fesselung gewünscht wird es eng für den erfahrenen Rigger.

Mit meinem zweiten Seilset kaufte ich zehn Seile wovon ich eines in der Mitte teilte und so 9 x 8 Meter und 2 x 4 Meter Seil erhielt. Ich brauch die 4 Meter Seile immer noch sehr selten. Aber ich kann darauf zurückgreifen, wenn nötig. Auch meiner Erfahrung als Lehrer im Secert56 Team weiss ich, dass zu Beginn diese Seillängen einfach nicht passen wollen. Gerade wenn man Personen fesselt die etwas mehr Mensch sind, kann es sein, dass die Seile so einfach nicht aufgehen. Zum einen sollte man sich dadurch nicht entmutigen lassen. Seil verbauen lernt man. Aber ein zusätzliches, kurzes Seil hilft kann je nachdem auch eine schnelle und einfache Hilfe sein. Ist das Byte eines langen Seils durch können aus diesem ja zwei neue kurze Seile gemacht werden :-).

Dass das Denken der immer gleichlangen Seile auch in Japan nicht so streng gehalten wird, zeigte mir an der BoundCon 2012 Hajime Kinoko. Er hatte mindestens vier oder fünf kurze Seile zwischen ca. 1.5 und 4 Meter welche er je nach benötigter Länge noch am Schluss verwendete.

Auf das Model angepasste Seilsets

Performer verwenden gezielt für das Model und die jeweilige Performance ihr Seilset zusammen, bzw. verwenden extra zugeschnittene Seile. Ob dies für den Durchschnitts-Rigger Sinn macht wage ich zu bezweifeln. Oft fragen mich Personen welche eine besonders zierliche oder feste Person fesseln ob ich nicht 7 Meter oder 9 Meter Seile für sie hätte. Klar lässt sich dies auf Wunsch gerne Erfüllen. Probleme ergeben sich dann jedoch meist darin, dass die Seile bei einem anderen Model nun nicht passen. Zudem sind zulange Seile z.B. als Hängeseil eben wirklich zulang, oder bei kurzen Seilen fehlt grad noch etwas.

Fazit

  • Die 7 x 8 Meter Seil-Set reichen für den Einsteiger sehr gut.
  • Ein oder zwei Seile mehr können dem erfahrenen Rigger die eine oder andere Fesselung ermöglichen.
  • 8 Meter Seile sind ein praktische Länge. Anpassungen an das jeweilige Model lohnen sich kaum.
  • Ein oder zwei kurze Seile, z.B. ca. 4 Meter lang geben die notwendige Flexiblität.

Ich gehe davon aus, dass aufgrund der aktuellen Techniken (z.B. 3 Seil takate kote) der Wunsch nach umfangreicheren Seilsets kommen wird. Wir dürfen gespannt sein, welches Seilset in drei, vier Jahren der Standard ist.

Advertisements
Comments
One Response to “Notwendige Anzahl Seile – Teil 2 Aus der Sicht des Riggers”
Trackbacks
Check out what others are saying...
  1. […] sich diese Rückschlüsse auch in der Praxis als korrekt erweisen, dies habe ich im zweiten Teil vom 1. März […]



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: