Japan Bondage – Bondage-Handbuch spezial


Mit grossen Erwartungen habe ich auf das neue Japan Bondage Buch gewartet und seit Mitte Oktober auf dem Markt.

Hier meine ausführliche Rezension:

Es kommt wie alle Bücher aus der Black Label Reihe daher: schwarzer Einband mit weisser Schrift, dafür aber mit farbigem Cover-Bild. Das ist neu! Die Verarbeitung des Buches mit 256 Seiten ist wie bei allen Büchern aus diesem Haus tadellos. Doch was steckt dazwischen?

Gleich mit den einführenden Worten nimmt uns Matthias mit seinem direkten, packenden Schreibstil mit und die ersten vier Seiten lesen sich leicht. Das gefällt und macht Hunger auf mehr.

Dann folgen ein paar Worte zur Geschichte des japanischen Bondage. Zwei Seiten sind tatsächlich ein paar Worte, aber auch nicht mehr. Wirklich viel Platz für historisches Wissen ist da nicht drin. So können die Hintergründe und Allgemeines erwähnt werden, aber für mich ist dieser Teil klar zu kurz gekommen und enttäuschend. Ich hätte da mehr erwartet.

Die folgenden Seiten vermitteln Matthias‘ Eindrücke und Erlebnisse in der japanischen Bondage-Szene. Man liest die Begeisterung und erlebt seine Reise ein bisschen mit. Der Exkurs zwischen Shibari und Kunst gibt interessante Einblicke aus westlicher und japanischer Sicht. Da diese Seiten eher theoretisch sind, verliert das Buch hier etwas an Schwung.

Dann werden zehn professionelle Seilmeister vorgestellt. Sechs davon mit je einer Seite Fotos und wenigen Angaben zur Person. Die vier letzten dafür mit etwas mehr Text und geringerer Anzahl Fotos auf jeweils ein bis zwei Seiten. Meiner Meinung nach ist diese Vorstellung zumindest der ersten sechs nur halb gelungen. Man erfährt nichts Genaues über deren Schaffen, Sein und Wirken. Diesen grossen Seil-Meistern, welche alle in diesem Buch zweifellos sind, hätte mehr Informationen über ihr Werk gebührt.

Die Bondage-Basics sind gewohnt gekonnt erklärt. Hier fühlt man sich gut aufgehoben. Dass dabei nicht nur der Technik, sondern auch der emotionalen Seite vor, in und nach den Seilen Beachtung geschenkt wird, ist hier als grosses Plus hervorzuheben. Im Kapital „Alles über Seile“ wird wirklich alles über das Seil erklärt. Vom Verwendungszweck über die Behandlung und Pflege bis hin zur Aufbewahrung wird alles fein säuberlich beschrieben.

Das Thema Bondage-Physik ist auf drei Seiten abgehandelt. Die wesentlichen Eckpunkte dieses doch nicht leicht verständlichen Themas sind benannt und die Beispiel-Berechnungen anschaulich. Zudem ist mit dem Wichtigsten in Kürze auch gleich alles nochmals repetiert. Es ist nicht viel Inhalt, aber was (da) steht, passt.

Im Kapitel „Grundlagen und Wissenswertes“ behandelt der Autor drei Themen. Das erste ist Bondage-Anatomie. Ausführlich und klar werden die wesentlichen Themen betreffend Nerven, Blutbahnen und Hautverletzungen abgehandelt. Auch das Notfall-Management kommt nicht zu kurz. Leider sind die beiden Abschnitte über Bondage-Emotionen und Bondage-Recht von jeweils etwas mehr als einer Seite etwas kurz geraten. Allerdings wurden die Emotionen bereits weiter vorne behandelt und über das Recht gibt es nicht viel mehr zu sagen.

Doch dann auf Seite 78 geht es los mit den Seilen. Beginnend mit einfachsten Grundlagen wie dem Seilaufwickeln über Basisknoten bis hin zum Takate Kote folgt es Schlag auf Schlag. Nur wenige Fesselungen wurden aus dem Bondage-Handbuch übernommen. Die Bilder sind schwarz weiss und mit Geschmack fotografiert. Den jeweiligen Schritten kann man gut folgen und die kleinen Texte unterstützen den Leser beim Nachfesseln. Die Zusammenstellung der Fesselungen auf fast 170 Seiten beinhaltet sowohl alte bekannte als auch spannende neue Fesselungen. So ist auch für jemand, welcher schon das eine oder andere Buch zuhause hat, sicher etwas Neues und Lehrreiches dabei.

Nur wenige Fesselungen sind explizit mit japanischen Namen versehen. Auch allgemein wird auf japanische Fachbegriffe verzichtet. Dies hilft zum einen dem Einsteiger, mindert aber auch eine gewisse Authentizität der jeweiligen Bondage.

Die abschliessenden zwei Seiten Philosophie wirken dort etwas verloren und gehörten meiner Meinung nach eher nach vorne in den Theorie-Teil. Neben den Quellenangaben folgen noch dreieinhalb Seiten mit japanischen Fesselbegriffen.

Alles in allem schliesst dieses Buch im deutschen Sprachraum eine grosse Lücke, welche bisher nur mit englischen Büchern zu stopfen war. Das Rad wurde mit diesem Buch nicht neu erfunden. Es ist auch keine allumfassende Bibel mit dem gesammelten Wissen des japanischen Bondage in deutscher Sprache, sondern liefert die Basics und Grundlagen rund um dieses Thema. Wer also bereits eine umfangreiche Bibliothek an Bondage-Büchern, insbesondere englischsprachigen, sein Eigen nennt, darf keine überraschenden Neuheiten erwarten. Dennoch kann dieses Buch auch einem belesenen Bondage-Fan das eine oder andere noch mitgeben.

Erhältich in allen Bücherläden, im Shop des Autors auf Schlagzeilen.com und für die Schweizer auf smstore.ch.

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